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Was ist Brackwasser, wie entsteht es und welche Tiere leben darin ?

Jeder kennt das populäre Süsswasser und das faszinierende Meerwasser in der Aquaristik. Beides sehr interessante Gebiete, welche uns viel über die Unterwasserwelt vermittelt und welche die uns beim Beobachten der Tiere im Kleinbiotop hinter Glas viel Freude bereitet. Neue Aspekte werden ersichtlich, biologische und chemische Zusammenhänge werden verstanden, Habitate werden nachgebildet, so dass man als Betreuer oder Pfleger die Natur im Wasser besser kennenlernt, sie schätzt und respektiert !
Doch gibt es ein weiteres Gebiet, welches vielleicht noch etwas unbekannt erscheinen mag, doch genauso interessant wirken kann, wie die beiden grossen Wasserbereiche, nämlich das Brackwasserbiotop.

Brackwassergebiete gibt es überall auf der Erde und all diese Gebiete sind unabhängig von einander, da sie keine Verbindung zu einander haben.
Das Brackwasser hat eigentlich einen Salzgehalt, zwischen Meer- und Süsswasser. Die Dichte kann man nicht mit einem fixen Wert bezeichnen, da in diesen Brackwasserzonen diese stark schwanken kann.

Wie entsteht eigentlich Brackwasser und wo gibt es solche Zonen ?

Auf der Welt gibt es zahlreiche Flüsse und Fluss-Systeme, welche auch ihrem Weg Mineralien und Salze aus den Gesteinen und dem Untergrund herausspülen. Die Menge dieser Salze konzentriert sich immer mehr, je länger der Fluss ist. Weit unten, fast am Ende des Flusses, ein paar hundert Meter bis 2 oder 4 km vor der Mündung ins Meer, ist die Salzkonzentration schon so hoch, dass es nicht mehr als reines Süsswasser bezeichnet werden kann.
In diesen Gebieten können reine Süsswasserfische nicht mehr leben, da sie das Salz, da Fische ja auch trinken, nicht mehr effektiv ausscheiden können.
Von der anderen Seite her betrachtet, können auch reine Meerwasserfische in diesen Zonen nicht leben, da das Wasser quasi zu dünn ist und diese einen osmotischen Überdruck erleiden, welcher sofort Wasser durch die Schleimhäute dringen lässt.
Brackwasser bildet also die Grenze zwischen Süsswasser- und Meerwasserzonen und beherbergt selbst ein Biotop in welchem spezialisierte Tiere leben können.
Des weiteren entsteht Brackwasser auch durch Schmelzwasser bei den Polargebieten, welche grosse Gletscher und Eiskappen das Meerwasser berühren und in geschützten Orten, wie den Fjorden, diese Eisblöcke schmelzen und das umgebende Meerwasser stark mit Süsswasser anreichern.
Aber auch im asiatisch-indonesischen Teil der Erde, wo starke Monsunregengüsse, welche sehr lange anhalten können, die geschützten Mangroven mit Unmengen von Süsswasser füllen, verwandelt sich dass Meerwasser in Brackwasser, da die Salzkonzentration sehr gesunken ist.
Ausserdem gibt es da noch die Inseln im Meer, welche Süsswasserseen beherbergen, diese jedoch häufig eine unterirdische Verbindung zum Meerwasser haben.

In solchen Brackwasserzonen leben natürlich auch spezielle Tiere und Pflanzen, welche sich diesen stark verändernden Wasserwerten adaptiert und angepasst haben.
Ein sehr bekanntes Beispiel, dass wahrscheinlich jeder kennt, ist der Lachs.

Sein Leben beginnt im Süsswasser, weit oben im Hochland fast wo der Bach entspringt. Mit der Zeit durchwandert er die Bäche, Seen und Flüsse hinunter zum Meer und wandert auch da einige Tausend Kilometer weit. Zur Laichzeit müssen die Lachse aber wieder an ihrem Ursprungsort zurück sein, also den ganzen Weg wieder in die Höhen schwimmen. Dieser Fisch durchstreift nicht nur drei verschiedene Wasserzonen, sondern erlebt auf seiner Wanderungen grosse Temperaturunterschiede.
Es gibt noch mehr Beispiele dafür, doch möchte ich diese nicht alle aufzählen, da diese eigentlich keine herkömmlichen Aquarienfische sind !
Was nicht zu vergessen ist, dass in solchen Brackwassergebieten, die Unterwasserflora viel artenreicher ist, als das reine Meerwasser. Es gibt da verschiedene Wasserpflanzen, wie Seegräser oder andere höhere Blattpflanzen, die sich anpassen konnten. Genau solche Zonen mit einem Haufen an Gewirr von Blättern, Stengeln und Wurzeln bieten vielen Tieren Schutz vor Räubern. Hier befinden sich viele Kinderschulen von Meerwasserfischen, welche als juvenile Tiere hier im Schutz ihr Leben verbringen und erst als subadulte Tiere ins Meer schwimmen.
Auch ist in solchen vegetativen Zonen, das Nahrungsangebot viel grösser, was die Ernährung sichert und das Aufwachsen fördert.
Natürlich gibt es da noch die reinen Brackwasserbewohner, wie Schlammspringer, Silberflossenblätter, einige Kugelfische, Grundeln, Barsche und Hechte.

Ein zielgenauer Wasserstrahl von Toxotes jaculatrix

Einer der wohl bekanntesten Brackwasserfische, der Mangrovenzone ist der Schützenfisch Toxotes jaculatrix, welcher zwischen den Mangroven verweilt und sein Futter ( Insekten ) regelrecht von den Wurzeln oder Zweigen der Mangrovenbäume, mit einem Wasserstrahl abschiesst. Dieser Fisch hat auf etwa 80cm Entfernung eine Treffsicherheit von fast 100 %, dabei kommt noch hinzu, dass er den Winkel der Lichtbrechung durch die Wasseroberfläche berechnen muss.

Weitere Bewohner dieser Zonen sind vereinzelt Hornhechte, Kugelfische und einige Glasbarsche, welche sich zwischen diesen Mangroven tummeln.
In offeneren Zonen wo breite langsam fliessende Flussmündungen ins Meer fliessen, findet man Silberflossenblätter und andere barschartige robuste Fische. In Gebieten wo Flüsse ins Meer fliessen trifft man diverse Grundeln, unter anderen die gelb-schwarz gestreifte Hummelgrundel an. In diesen schnellfliessenden Zonen, welche viel Sand und Geröll enthalten, die der Fluss transportierte und daraus Sand- und Schlammbänke gebaut hat, befindet sich auch einer der kuriosesten Bewohner dieser Biotope, der Schlammspringer.
Dieser Fisch lebt eher amphibisch, da er an Land ² springen ² kann und sich mit seinen Brustflossen, welche sich eher zu Beinen umgeformt haben, fortbewegen. Dabei kann er atmosphärische Luft einatmen. Er muss lediglich mal ins Wasser steigen, damit seine Augen nicht austrocknen und die Kiemen feucht bleiben.

Nicht nur Vögel verweilen gerne auf Zweigen : ) !
( Schlammspringer )

Weitere Tiere, welche Brackwasserzonen beleben, sind die Mangrovenquallen. Sie bevorzugen eine seichte Strömung, da sie nicht wie ihre anderen Vertreter sich im Wasser treiben lassen, sondern kopfüber auf dem Grund liegen.

Ein wichtiger Punkt ist vielleicht noch, dass diese Brackwasserzonen, ständig ihre Ausdehnung verändern, mal weit bis ins Landinnere oder mal ganz nah an der Küste. Dies weil, durch die ewig verändernden Pegelstände durch Ebbe und Flut, resp. durch Regenfälle, das Wasserniveau ansteigt oder sinkt, resp. die Salzkonzentration zu- oder abnimmt.

Auf der Erde kennen wir vier sehr grosse Brackwasserzonen, Das sind das Amazonas - Delta, das Nil - Delta, das Mississippi - Delta und das Jangtse - Delta. In diesen Gebieten sind Fauna und Flora am artenreichsten, welche direkt mit dem Brackwasser in Verbindung stehen.

Solche Biotope sollte man unbedingt den Tieren die man pflegt anbieten, welche aus diesen Zonen kommen, denn für gewisse Fische, aber auch Schlammkrabben ist es notwendig einen Schlamm oder Lehmboden zu bieten oder Wurzeln im Wasser.
Um ein solches Habitat zu gestalten empfiehlt es sich sehr, viele Informationen zu sammeln wie möglich, da dies doch spezielle Tiere sind und zum Teil Erfahrungen mit solchen Tieren eher wenig vorhanden sind !

© Bilder und Text, Tom Vonlanthen 20.10.2002

 

Da in unserem Verein die Brackwasseraquaristik noch in den Kinderschuhen steckt, durften wir netterweise auch Informationen von Simone Fischer für unsere Seite benutzen. Simone hat eine ausführliche Internetseite über Brackwasser welche immer ein Besuch wert ist.

 

 
© Freunde der Aquaristik